Was tun, wenn die akademische Lehramtsausbildung an der Praxis vorbeigeht und auf wichtige Themen wie den Umgang mit der steigenden sozialen, sprachlichen und kulturellen Heterogenität im Klassenzimmer keine Antworten gibt?

Für die Stipendiatinnen und Stipendiaten des Horizonte-Programms am Standort Ruhrgebiet lautet die Antwort auf diese Frage: Selber machen! So gründen sie 2011 das Studierendennetzwerk Diversity@School für Lehramtsstudierende im Ruhrgebiet. Gut zwei Jahre später, am 9. November 2013, findet der erste Projekttag des Netzwerks mit vielen Workshopangeboten an der Ruhr-Universität Bochum statt. Der Projekttag wird zu einem großen Erfolg für das Netzwerk und bereichert die OrganisatorInnen um wertvolle Erfahrungen. Philipp Siepmann, Horizonte-Promotionsstipendiat im Ruhrgebiet, berichtet:

Studierendennetzwerk Diversity@School: Vernetzen, Informieren, Austauschen

Hinter Diversity@School steht die Idee, die Initiative der Hertie-Stiftung zur Förderung von engagierten zukünftigen Lehrkräften mit Migrationshintergrund aufzugreifen und eine für alle Studierenden zugängliche Plattform zur Vernetzung, zur Information und zum Austausch über das Themenfeld „Heterogenität und Vielfalt in der Schule“ zu schaffen.

Seit seiner Gründung  veranstaltet Diversity@School etwa zwei- bis dreimal pro Semester Workshops zu verschiedenen aktuellen Themen rund um Schule und Unterricht. Zuletzt wurde mit Luigi Giunta ein Lehrer (Italienisch/Sport) von einem Düsseldorfer Gymnasium eingeladen, der einen spannenden Vortrag mit anschließender Diskussion zum bislang noch wenig beachteten Thema „Schule und Öffentlichkeitsarbeit“ hielt.

Für die Zukunft plant Diversity@School, seinen Mitgliederstamm von derzeit ca. 200 Studierenden zu vergrößern und seine organisatorischen Strukturen zu festigen. Außerdem sollen die Aktivitäten, die sich bislang auf die Ruhr-Universität Bochum konzentrieren, langfristig auch auf die Universitäten Dortmund und Duisburg-Essen, die ebenfalls Lehrerinnen und Lehrer ausbilden, erweitert werden. Interessierte sind also herzlich willkommen!

Projekttag 2013: Idee, Ziele und Umsetzung

Die Idee, einen Projekttag des Studierendennetzwerks mit ‚vielfältigen’ Workshopangeboten zu organisieren, entsteht Ende 2012 bei einem der monatlichen Treffen der Horizonte-StipendiatInnen am Standort Ruhrgebiet. Als es an die konkrete Umsetzung dieses Vorhabens geht, stellt sich den OrganisatorInnen – die alle nur wenig Erfahrung mit dem Projekt- und Eventmanagement haben – eine Vielzahl von Fragen: Wie lässt sich ein solches Projekt finanzieren? Welche Räumlichkeiten kommen infrage und stehen zur Verfügung? Welche Themen sollen die Workshops abdecken und welche ReferentInnen stehen uns zur Verfügung? Wie wird der Projekttag beworben? Wie ist das Rahmenprogramm zu gestalten? Was wird an Speisen und Getränken angeboten? Das Organisationsteam bildet deshalb verschiedene Arbeitsgruppen, die sich um einzelne Aufgabenbereiche kümmern.

Die Finanzierung wird zu einem Teil bei der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung beantragt, zum anderen beim ASTA der Ruhr-Universität Bochum. Nachdem beide Anträge bewilligt worden sind, werden die ReferentInnen gebucht. Die Universität stellt für den Projekttag, der nun für den 9. November 2013 terminiert wird, mehrere Seminarräume und einen Hörsaal zur Vefügung. Für die Mittags- und Kaffeepausen wird ein Cateringservice beauftragt. Etwa drei Wochen vor der Veranstaltung beginnt das Netzwerk, die Veranstaltung über Plakate, Flyer und seinen Facebook-Auftritt zu bewerben. Innerhalb weniger Tage sind die 60 Teilnehmerplätze restlos ausgebucht. Das Angebot ist attraktiv: Die Teilnahme ist für die Studierenden kostenfrei und wird mit einem Zertifikat belegt.

Bei der Programmgestaltung der insgesamt neun Workshops in drei Panels (d.h. jeweils drei finden parallel statt) wird auf ein möglichst breit gefächertes Angebot an Themen geachtet. Die Workshops werden von Expertinnen und Experten aus Schule, LehrerInnenausbildung und Weiterbildung moderiert: So leitet Gülsah Mavruk, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich DaZ/DaF an der Universität Duisburg-Essen, einen Workshop zum Thema Mehrsprachigkeit. Elisa Siebold von Buddy e.V. bietet jeweils einen Workshop zum Umgang mit Vorurteilen und zur parizipativen Schulentwicklung an. Bernhard Weinmann, Lehrer an einer Gesamtschule in Marl, berichtet von seiner jahrelangen ehrenamtlichen Engagement in der christlich-islamischen Arbeitsgemeinschaft (CIAG) in Marl. Ergänzt wird das Angebot durch Beiträge ehemaliger und aktiver Horizonte-StipendiatInnen: Adriano Alfano, selbst eines der Gründungsmitglieder des Netzwerks, bringt seine Erfahrungen aus den zahlreichen Horizonte-Akademien und Seminaren zum Thema „Classroom Management“ ein, während Elisabeth Loktev, Referendarin an einer Förderschule, ihre Expertise aus ihrer Masterarbeit und ihrer beruflichen Praxis im Workshop „Inklusion“ unter Beweis stellt.

Unser Fazit

Der Projekttag selbst verläuft nahezu reibungslos. Nahezu alle der 60 angemeldeten TeilnehmerInnen finden sich an diesem Samstag in der Uni ein. Während hinter den Kulissen unermüdlich vorbereitet und aufgeräumt wird, diskutieren die WorkshopteilnehmerInnen in den Seminarräumen die Themen lebendig und tauschen sich im Anschluss bei Kaffee, Gebäck und belegten Brötchen mit den ReferentInnen aus. Selbst einige der ReferentInnen besuchen vor und nach ihrem eigenen Angebot verschiedene Workshops. Entsprechend positiv fällt das Feedback aus, das am Ende des Tages von den TeilnehmerInnen eingeholt wird. Die erbetene konstruktive Kritik wird in Hinblick auf weitere Veranstaltungen reflektiert.