Susanna Stelljes, Horizonte-Alumna aus Hamburg, hat gemeinsam mit den OberstufenschülerInnen der Geschwister-Scholl-Stadtteilschule ein Mentoring-Projekt ins Leben gerufen. Ein Bericht über die Erfahrungen und Erfolge des Projekts:

Worum geht es?

Mentoring-Programme basieren darauf, dass erfahrene Personen ihre Fähigkeiten und ihr Wissen an unerfahrenere Personen weitergeben, um diese in ihrer persönlichen Entwicklung zu fördern. 24 OberstufenschülerInnen der GSST wollen als so genannte Mentorinnen und Mentoren ausgebildet werden, um 24 SchülerInnen der 8. und 9. Klassen, die so genannten Mentees, für 1,5 Jahre intensiv zu begleiten. Das Projekt wird von der Claussen-Simon-Stiftung mit 25.000 EUR unterstützt.

Wie ist die Ausgangssituation?

Die Oberstufe der GSST befindet sich noch im Aufbau: Die SchülerInnen, die jetzt die Jahrgänge 11 und 12 besuchen, verstehen sich als 'Pioniere' und sind sich ihrer Vorbildfunktion - gerade an einer inklusiven Stadtteilschule in einem Viertel wie Osdorf - sehr bewusst. Viele von ihnen sind gewillt und motiviert, Verantwortung für jüngere SchülerInnen zu übernehmen. Etliche haben erste praktische pädagogische Erfahrungen im Peer-Projekt, bei der Streitschlichter-Ausbildung oder im privaten Bereich gesammelt - es wundert demnach nicht, dass das Pädagogik-Profil momentan das beliebteste ist. Auf der anderen Seite besuchen einige SchülerInnen die Mittelstufe, die das Potential haben, das Abitur zu schaffen, denen es aber an fachlicher Unterstützung und Förderung sowie an persönlichem Beistand fehlt. Oft lernen diese SchülerInnen unauffällig und still vor sich hin - durch das Projekt sollen sie mehr in den Fokus genommen und idealerweise in unsere Oberstufe begleitet werden.

Welche Ziele hat das Projekt?

Quelle: seensimple.comDie Mentees aus den Jahrgängen 8 und 9 bekommen Ansprechpartner aus der Oberstufe, die ihnen nicht nur in Prüfungsfragen und Schulaufgaben, sondern auch in ihrer persönlichen Entwicklung zur Seite stehen: die MentorInnen sollen ihren Mentees Möglichkeiten aufzeigen und sie ermutigen, sich Dinge zuzutrauen! So werden sie auch durch die Tatsache gestärkt auf einen 'großen Bruder/Schwester' vertrauen zu können - sich jederzeit Unterstützung und Rat einholen zu können gibt ihnen Selbstsicherheit.

Die MentorInnen aus den Jahrgängen 11 und 12 werden gestärkt, weil sie eine professionelle Ausbildung erlangen. Gleichzeitig bekommen sie Aufgaben und Verantwortung: Sie begleiten regelmäßig ihre Mentees, organisieren MentorInnenabende und Fortbildungen mit - sie sind Ansprechpartner in der Schule und gestalten ihr eigenes Projekt mit. Die regelmäßigen MentorInnenabende und Schulungen sorgen für einen internen Zusammenhalt und Austausch sowie die ständige Weiterentwicklung als MentorIn. Am Ende der Mentorenschaften erhalten die Oberstufler Zertifikate über die erfolgreiche Teilnahme am Projekt.

Im Spätherbst haben die MentorInnen zusätzlich die Chance, ein 'Train the Trainer'-Seminar zu belegen, so dass das Projekt im nächsten Schuljahr ggf. wieder, mit zwei weiteren Jahrgängen, durchgeführt werden kann. Im Rahmen des Projektes wird außerdem ein Raum, der sowohl der Ausbildung und den regelmäßigen Zusammenkünften der MentorInnen, als auch den Mentor-Mentee-Treffen selbst dient, funktional eingerichtet.

Wie ist der zeitliche Ablauf?

Quelle: seensimple.comKonkret wurden ab Januar 2013 im Rahmen des Projekts 12 Elft- und 12 ZwölftklässlerInnen aller Profile in einem Basistraining von erfahrenen Trainern (verikom e.V.) zu Mentoren ausgebildet (nach vorheriger Bewerbung). Zeitgleich schlagen die KlassenlehrerInnen der 8. und 9. Klassen der GSST Mentees vor, die der obigen Beschreibung entsprechen. Im Februar fand ein großes Kennenlerntreffen statt, bei dem die Zuordnung der Mentoren und Mentees erfolgte und die Paare erste Ziele formulieren und Termine festlegten. Im Anschluss fanden zweiwöchig Treffen zwischen den Mentoren und Mentees statt, die die MentorInnen protokollieren. An MentorInnenabenden werden diese zudem zusammen mit einem Trainer reflektiert. Nach den Sommerferien 2013 war ein gemeinsamer Ausflug aller Mentees und MentorInnen geplant, im Frühjahr 2014 wurde die Pilotphase des Mentorenprojekts beendet. Dokumentiert wird das Projekt (laufend) von der Claussen-Simon-Stiftung, während die Zwischen- und Gesamtevaluation von den TrainerInnen durchgeführt wird.

Preis für Mentorship 2014

Am 27. November 2014 hat die Claussen-Simon-Stiftung in den Mozartsälen an der Moorweide sechs herausragende Initiativen zur Verbesserung der Lehre und des Lernens an Hamburger Schulen und Hochschulen ausgezeichnet. Darüber hinaus wurde der mit 10.000 Euro dotierte 'Preis für Mentorship' erstmals in der Kategorie Schule verliehen. Der Preis ging an die Hamburger Lehrerin Susanna Stelljes für die besonders engagierte und erfolgreiche Umsetzung des 2013 gestarteten Projektes "Schüler als Mentoren und Mentees".