Asadeh Mansouri und Olga Rogachevskaya, zwei Berliner Horizonte-Stipendiatinnen, haben einen gemeinsamen Projekttag zwischen Schüler/innen eines Gymnasiums und einer Gehörlosenschule durchgeführt. Sie berichten von ihren Erfahrungen und von den Chancen, die eine solche Begegnung mit sich bringt:

Die Idee: Kommunikative Barrieren abbauen

Am 20.12.2013 haben Schülerinnen und Schüler der Ernst-Adolf-Eschke-Schule für Gehörlose und des Beethoven-Gymnasiums in Berlin gemeinsam an einem Fotoprojekt der Abschlussklasse der Ernst-Adolf-Eschke-Schule teilgenommen.

Die Idee entstand, als Olga Rogachevskaya von der Ernst-Adolf-Eschke-Schule das Thema Gerechtigkeit mit dem Schwerpunkt Inklusion in ihrem Ethik-Unterricht behandelt hat. Ziel war es, im Rahmen eines konkreten Projekts bzw. einer konkreten Aufgabenstellung kommunikative Barrieren zwischen Gehörlosen und Hörenden zu erkennen und dann gemeinschaftlich abzubauen. Durch diese Möglichkeit sollten die Schülerinnen und Schüler für den Umgang mit Heterogenität sensibilisiert werden und praktische, d. h. alltagsorientierte Erfahrungen sammeln. Asadeh Mansouri vom Beethoven-Gymnasium sah für ihre Schülerinnen und Schüler die Chance, eine andere Welt kennenzulernen, die in vielerlei Hinsicht das Gegenteil ihres privilegierten Alltags darstellt und so individuelle und soziale Lernchancen bietet. Bezogen auf die beiden Lerngruppen bedeutet dies auch, dass eventuell bestehende Kontakthemmungen und möglicherweise bestehende Vorurteile abgebaut werden bzw. eigene Privilegien oder Diskriminierungen erkannt und im gesellschaftlichen Kontext reflektiert werden sollten.

Das Projekt: Besuch in der Gebärdenschule mit gemeinsamem Fotoprojekt

Am 20.12.2013 haben zehn Schülerinnen und Schüler des Grundkurses Philosophie des Beethoven-Gymnasiums die Abschlussklasse der Ernst-Adolf-Eschke-Schule besucht. Nach einer 1½-stündigen Einführung in die Gebärdensprache, die von Olga Rogachevskaya durchgeführt wurde und bei den Schülerinnen und Schülern auf große Begeisterung gestoßen ist, hatten die Schülerinnen und Schüler des Beethoven-Gymnasiums die Gelegenheit sich die Ernst-Adolf-Eschke-Schule in Form eines kurzen Rundgangs unter Führung eines Schülers der Schule anzuschauen. Anschließend fand die Weihnachtsfeier statt, die von einer Schülerin und einem Schüler der Abschlussklasse moderiert wurde und deren liebevoll gestalteten und aufwendig inszenierten Vorführungen die Schülerinnen und Schüler des Beethoven Gymnasiums sehr beeindruckt haben.

Nach der Weihnachtsfeier sind dann die vier Schülerinnen und Schüler der Abschlussklasse zu ihren Gästen dazugestoßen. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde wurden die Arbeitsgruppen eingeteilt und die Aufgabenstellung besprochen: Es sollten von den Schülerinnen und Schülern Fotos von Gebärden zu gemeinsam festgelegten Themenschwerpunkten entwickelt, inszeniert und überarbeitet werden.

Die Arbeit in den Gruppen verlief zu Beginn sehr unterschiedlich: Während einige Gruppen schnell aufeinander eingestimmt waren und sich auf gemeinsame Themenschwerpunkte einigen konnten, fiel es anderen Schülerinnen und Schülern sichtlich schwerer, sich auf die Aufgabe, die Zusammenarbeit bzw. die kommunikativen Herausforderungen einzulassen. Diese Anfangsschwierigkeiten wurden aber überwunden, so dass am Ende der Arbeitszeit alle Gruppen mindestens ein gelungenes Foto präsentieren konnten. Die Fotos wurden zum Teil noch vor Ort von den Schülerinnen und Schülern bearbeitet und mit Beschreibungen der Gebärdendurchführung ergänzt.

Die Ergebnisse: Kreative Fotografien und gelebte Heterogenität im schulischen Kontext

Insgesamt kann der Projekttag als Erfolg gewertet werden: Die Schülerinnen und Schüler der beiden Schulen sind miteinander in Kontakt gekommen, haben sich aufeinander eingelassen und die ihnen gestellte Aufgabe mehr als zufriedenstellend bearbeitet.

Dieser erste Projekttag hat gezeigt, wie viel Potential in der Idee steckt, einzelne Klassen aus ganz unterschiedlichen Kontexten im Rahmen eines konkreten Auftrags miteinander in Kontakt zu bringen. Das positive Feedback, das sich in den Schülerberichten auf dem Blog spiegelt, bestärkt diesen Eindruck.